Was ist ADAS – und warum betrifft es Ihre Windschutzscheibe?

ADAS steht für Advanced Driver Assistance Systems – auf Deutsch: Fahrerassistenzsysteme. Das sind die elektronischen Helfer, die in fast jedem neueren Fahrzeug stecken und aktiv in Fahrfunktionen eingreifen. Konkret handelt es sich um Systeme wie:

Der gemeinsame Nenner dieser Systeme: Sie nutzen eine Kamera, die hinter der Windschutzscheibe montiert ist – meist oben, in der Nähe des Rückspiegels. Diese Kamera ist das Auge des Fahrzeugs. Sie schaut durch das Glas auf die Straße und verarbeitet das Bild in Echtzeit.

Warum muss nach dem Scheibentausch kalibriert werden?

Die Frontkamera ist auf die exakte Position der Windschutzscheibe kalibriert. Beim Tausch wird die alte Scheibe entfernt und eine neue eingesetzt. Auch wenn die neue Scheibe baugleich ist, sitzt sie nie auf den Hundertstelmillimeter genau so wie die alte. Die Klebenaht ist minimal anders, die Glasdicke kann im Toleranzbereich variieren, und selbst kleinste Verschiebungen ändern den Blickwinkel der Kamera.

Die Physik dahinter: Eine Abweichung von nur 0,1 Grad im Kamerawinkel bedeutet auf 100 Meter Entfernung einen Versatz von ca. 17 Zentimetern. Das reicht, damit der Spurhalteassistent die Fahrbahnmarkierung falsch erkennt, der Notbremsassistent ein Hindernis zu spät oder gar nicht erfasst, oder der adaptive Tempomat den Abstand zum Vordermann falsch einschätzt.

Ohne Kalibrierung arbeiten die Assistenzsysteme also entweder ungenau oder gar nicht. Im besten Fall zeigt Ihr Fahrzeug eine Warnmeldung im Cockpit. Im schlechtesten Fall funktionieren die Systeme scheinbar normal, liegen aber systematisch daneben – und das ist gefährlich.

Statische vs. dynamische Kalibrierung

Es gibt zwei Verfahren, um die Kamera nach einem Scheibentausch neu auszurichten. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vom Fahrzeughersteller und Modell ab.

Statische Kalibrierung

Bei der statischen Kalibrierung wird ein spezielles Kalibriertarget (eine Tafel mit definierten Mustern) in exaktem Abstand und exakter Höhe vor dem Fahrzeug positioniert. Ein Diagnosegerät verbindet sich mit dem Steuergerät des Fahrzeugs und leitet den Kalibriervorgang ein. Die Kamera erfasst das Target und justiert ihre Referenzpunkte.

Voraussetzungen: Das Fahrzeug muss auf einer ebenen Fläche stehen, die Reifen müssen den korrekten Luftdruck haben, und vor dem Fahrzeug muss genügend Platz sein (je nach Hersteller 3 bis 5 Meter). Der Vorgang dauert etwa 15 bis 30 Minuten.

Dynamische Kalibrierung

Bei der dynamischen Kalibrierung wird das Fahrzeug gefahren. Das Diagnosegerät versetzt die Kamera in den Lernmodus, und während der Fahrt (typischerweise 15–30 km auf gut markierten Straßen bei 60–100 km/h) kalibriert sich das System anhand der realen Fahrbahnmarkierungen und Umgebung selbst.

Voraussetzungen: Klare Fahrbahnmarkierungen, gute Sichtverhältnisse (kein starker Regen, kein Nebel), ausreichend Verkehrsinfrastruktur. Im Raum Koblenz eignen sich die B9 Richtung Andernach oder die B49 Richtung Diez gut dafür – gerade Strecken mit klaren Markierungen.

Welches Verfahren für welches Fahrzeug?

Hersteller Typisches Verfahren Anmerkung
VW / Audi / Skoda / Seat Statisch + dynamisch Oft beide Schritte erforderlich
BMW Statisch Rein statisch bei den meisten Modellen
Mercedes-Benz Statisch + dynamisch Abhängig vom Kamerasystem
Opel / Peugeot / Citroën Statisch Mobileye-basierte Systeme
Toyota / Lexus Statisch Toyota Safety Sense System
Ford Dynamisch Oft rein dynamisch möglich

Welche Fahrzeuge brauchen eine Kalibrierung?

Die kurze Antwort: Fast jedes Fahrzeug ab Baujahr 2015–2018. Seit der EU-Verordnung zur verpflichtenden Ausstattung mit Notbremsassistenten (ab 2022 für alle Neuwagen) hat praktisch jedes aktuelle Fahrzeug eine Frontkamera. Aber auch ältere Modelle sind betroffen:

Unsicher, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist? Ein einfacher Check: Schauen Sie hinter den Rückspiegel. Sehen Sie dort eine kleine Kameralinse oder einen kastenförmigen Sensorblock? Dann hat Ihr Fahrzeug ein kamerabasiertes ADAS-System und braucht nach dem Scheibentausch eine Kalibrierung.

Was kostet die ADAS-Kalibrierung?

Leistung Kosten
Statische Kalibrierung 40–80 €
Dynamische Kalibrierung 50–80 €
Statisch + dynamisch kombiniert 70–100 €

Bei einer Teilkasko-Abwicklung ist die Kalibrierung in den Gesamtkosten des Scheibentauschs enthalten – Sie zahlen nichts extra dafür. Die Versicherung erkennt die Kalibrierung als notwendigen Bestandteil der Reparatur an.

Für Selbstzahler liegen die Kosten bei 40 bis 100 Euro – abhängig davon, ob eine statische, dynamische oder kombinierte Kalibrierung erforderlich ist. Gemessen an den Kosten des Scheibentauschs selbst (ab 600 Euro) ist das ein überschaubarer Betrag für die Sicherheit, die dahintersteckt. Alle Details zu Gesamtkosten finden Sie in unserem Kostenratgeber für Autoglas-Reparatur.

Was passiert, wenn Sie die Kalibrierung weglassen?

Manche Werkstätten tauschen die Scheibe und lassen die Kalibrierung aus – entweder aus Unwissenheit oder um Kosten zu sparen. Das ist fahrlässig. Die Konsequenzen sind real:

Rechtliche Dimension: Wenn es nach einem Scheibentausch ohne Kalibrierung zu einem Unfall kommt und die Assistenzsysteme versagen, kann das haftungsrechtliche Konsequenzen haben – sowohl für die Werkstatt, die die Kalibrierung unterlassen hat, als auch für den Halter, der wissentlich mit einem defekten Sicherheitssystem gefahren ist.

Unser Service: Kalibrierung direkt beim Scheibentausch

Bei Koblenz Autoglas ist die ADAS-Kalibrierung fester Bestandteil jedes Scheibentauschs an Fahrzeugen mit Kamerasystemen. Das bedeutet für Sie:

Ob Ihr Fahrzeug eine Kalibrierung braucht, prüfen wir vorab anhand von Fahrzeugschein und Fahrgestellnummer. So gibt es am Tag des Termins keine Überraschungen. Weitere Informationen zum Ablauf eines Scheibentauschs finden Sie in unserem Ratgeber: Steinschlag reparieren oder tauschen?

Scheibentausch mit Kalibrierung – alles aus einer Hand

Wir tauschen Ihre Scheibe und kalibrieren die Kamera direkt vor Ort in Koblenz. Ein Termin, ein Ansprechpartner, keine Folgebesuche.

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